Präsentismus
Präsentismus
Der Begriff Präsentismus wird im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Betriebswirtschaftslehre verwendet. Er beschreibt das Phänomen, dass Mitarbeiter trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen, Krankheiten oder Erschöpfung zur Arbeit erscheinen. Dies kann sowohl körperliche Erkrankungen als auch psychische Probleme wie Stress, Burnout oder geistige Ermüdung umfassen.
Die versteckten Kosten des Präsentismus
Anders als Absentismus, der leicht durch Krankentage gemessen werden kann, ist Präsentismus subtiler, aber genauso schädlich. Mitarbeitende, die krank zur Arbeit gehen, sind weniger produktiv, erholen sich langsamer und verbreiten möglicherweise Krankheiten an ihre Kolleg:innen. Studien zeigen, dass Präsentismus Unternehmen mehr kostet als Absentismus, da die reduzierte Effizienz sich im Laufe der Zeit summiert.
Über die körperliche Gesundheit hinaus wirkt sich Präsentismus auch auf das mentale Wohlbefinden aus. Mitarbeitende, die Stress- oder Burnout-Signale ignorieren, riskieren langfristige Erschöpfung, die letztlich zu einem Burnout oder der Notwendigkeit von Wiedereingliederungsprogrammen führen kann.Was auf kurze Sicht wie Hingabe erscheint, kann später zu längeren Fehlzeiten führen.
Warum arbeiten Mitarbeitende trotz Krankheit?
Eine starke Unternehmenskultur kann Produktivität fördern, aber in manchen Fällen hindert sie Mitarbeitende auch daran, sich die notwendige Auszeit zu nehmen. Viele haben Angst, als unzuverlässig wahrgenommen zu werden oder sorgen sich, dass sich die Arbeit in ihrer Abwesenheit anhäuft. In Unternehmen ohne strukturierte Vertretungslösungen fühlen sich Mitarbeitende möglicherweise gezwungen, weiterzuarbeiten.
Auch eine falsche Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands spielt eine Rolle. Manche glauben, sie könnten eine Erkältung „durchstehen“ oder dass geistige Erschöpfung von selbst vorbeigeht. Aber reduzierte Konzentration, geringere Motivation und verminderte Effizienz machen Präsentismus zu einer falschen Wirtschaftlichkeit.
Präsentismus kann genauso schädlich sein wie Absentismus. Wenn Mitarbeitende zwar physisch anwesend sind, aber nicht in Bestform, leidet sowohl die Produktivität als auch das Wohlbefinden. Doch mit den richtigen Strategien kannst du eine gesündere, engagiertere Belegschaft schaffen. Es ist an der Zeit, Präsentismus direkt anzugehen und deinen Mitarbeitenden die Unterstützung zu bieten, die sie benötigen, um sowohl mental als auch körperlich zu gedeihen. Investiere in ihre Gesundheit und sieh zu, wie dein Unternehmen floriert!
Wie können Unternehmen Präsentismus angehen?
Um Präsentismus zu bekämpfen, müssen Organisationen eine Kultur fördern, in der Gesundheit an erster Stelle steht..
Strategien umfassen:
- Mitarbeitende ermutigen, krankheitsbedingten Urlaub zu nehmen, ohne Angst vor Konsequenzen zu haben.
- Implementierug flexibler Arbeitsmodelle um eine Erholung ohne Produktivitätsverlust zu ermöglichen.
- Training von Führungskräften , Anzeichen von Burnout und Stress zu erkennen.
- Durchführen von Mitarbeiterbefragungen um das Stressniveau am Arbeitsplatz und gesundheitliche Anliegen zu erfassen.
- Promoten von Initiativen zur mentalen Gesundheit und den Zugang Employee Assistance Programs (EAPs).
Durch das priorisieren von employee engagement sowie dem Wohlbefinden der Mitarbeitenden, können sie Präsentismus reduzieren und gleichzeitig eine gesündere, produktivere Belegschaft fördern.
Zusammenfassung
Präsentismus wird oft übersehen, aber seine Auswirkungen auf Produktivität, Gesundheit und langfristiges Engagement sind erheblich. Eine Kultur, die das Wohlbefinden unterstützt, Ruhephasen bei Bedarf fördert und flexible Arbeitsoptionen bietet, kommt sowohl den Mitarbeitenden als auch den Unternehmen zugute. Schließlich ist manchmal der beste Weg, produktiv zu bleiben, einfach eine Pause zu machen.
FAQ
Quellen
- Steidelmüller, C. (2020). Präsentismus als Selbstgefährdung. Gesundheitliche und leistungsbezogene Auswirkungen des Verhaltens, krank zu arbeiten. Wiesbaden: Springer Fachmedien.
- Ausführliche Darstellungen und Diskussionen dieses Phänomens bieten z. B. G. Johns: Presenteeism in the workplace: A review and research agenda, in: Journal of Organizational Behavior, 31. Jg. (2010), H. 4, S. 519-542; M. Steinke, B. Badura: Präsentismus – Ein Review zum Stand der Forschung, Dortmund, Berlin, Dresden 2011; und D. Lohaus, W. Habermann: Präsentismus, Berlin 2018.