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Die Bedeutung der psychischen Gesundheit bei Männern

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Während die Gesellschaft zunehmend Sensibilität für mentale Gesundheit entwickelt, gibt es dennoch einen verbreiteten Mythos, dass Männer ihre emotionalen Herausforderungen unterdrücken sollten, um als stark und selbstbewusst zu gelten. Das hat zur Folge, dass Männer häufig im Stillen unter seelischen Problemen leiden und sich seltener Hilfe holen. Höchste Zeit, Licht ins Dunkel zu bringen und die psychische Gesundheit von Männern genauer zu beleuchten.

Die Bürde des starken Mannes

In vielen Kulturen wird Männlichkeit oft mit Eigenschaften wie Stärke, Unabhängigkeit und emotionaler Zurückhaltung gleichgesetzt. Diese von der Gesellschaft vermittelte und aufrechterhaltene Rollenzuschreibung wird von Jungen bereits in der Kindheit internalisiert, sodass es als Schwäche gilt, Gefühle zu zeigen oder zu weinen, wenn es einem schlecht geht. Seelische Probleme werden als persönliches Versagen gewertet, was häufig mit Schamgefühlen einhergeht. Die Angst vor dem Stigma, als “schwach” oder “nicht männlich genug” abgestempelt zu werden, kann dazu führen, dass viele Männer ihre psychischen Belastungen verbergen. Anstatt über die psychische Belastung zu reden und sich Hilfe zu holen, verstecken Männer ihre Symptome eher vor der Familie und Freund*innen, aber auch vor Ärzt*innen. Das Verdrängen und Verschweigen von Problemen führt jedoch nicht selten zu destruktiven Verhaltensweisen, da betroffene Männer häufig zu anderen Kompensationsstrategien zurückgreifen, wie beispielsweise der Griff zur Flasche. Männliche Personen haben doppelt so viele Arbeitsunfähigkeitstage wie Frauen und sogar dreimal so viele stationäre Krankenhausaufenthalte aufgrund von Suchterkrankungen. Noch drastischer sind die Zahlen beim Blick auf suizidales Verhalten. Rund 75% der Suizide werden von Männern begangen, wobei häufig eine unerkannte Depression hinter der Verzweiflungstat steckt.

Was ist psychische Gesundheit?

Die Weltgesundheitsorganisation definiert die psychische Gesundheit als Zustand des subjektiven Wohlbefindens, in dem sich eine Person entfalten, mit normalen Herausforderungen des Lebens umgehen, einer Arbeit nachgehen und einen Beitrag zur Gemeinschaft leisten kann. Die psychische Gesundheit bildet die Grundlage für das Wohlbefinden des Menschen und das Funktionieren einer Gemeinschaft. Es gibt verschiedene Ressourcen, die die mentale Gesundheit stärken können, etwa ein stabiles soziales Netz, eine optimistische Lebenseinstellung oder Resilienz.

Psychische Erkrankungen bei Männern bleiben häufig unentdeckt

Viele Männer leiden still an psychischen Problemen, sei es aufgrund von Stress, Depression, Angstzuständen oder anderen Herausforderungen. Im Jahr 2022 haben die Fehltage aufgrund psychischer Probleme bei den Frauen um rund 12 % zugenommen, die der Männer jedoch um 24 %. Die Zurückhaltung, über Gefühle zu sprechen, führt häufig dazu, dass Krankheiten nicht erkannt werden und die benötigte Unterstützung ausbleibt, da Hilfsangebote nicht wahrgenommen werden. Kein Wunder also, dass bei Männern generell weniger psychische Störungen festgestellt werden als bei Frauen. So wird bei weiblichen Personen doppelt so oft eine Depression diagnostiziert wie bei männlichen, was jedoch nicht die tatsächliche Betroffenheit widerspiegelt, sondern auf eine hohe Dunkelziffer schließen lässt. Was die Diagnose psychischer Erkrankungen weiterhin erschwert, ist, dass Männer eine andere Symptomatik zeigen können als Frauen. Bei Frauen äußert sich eine Depression  beispielsweise häufig in Form von Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Schwermut, Apathie, Schlafstörungen oder einem veränderten Essverhalten. Männer hingegen zeigen eine erhöhte Reizbarkeit, Wutausbrüche, körperliche Beschwerden wie sexuelle Störungen und ein gesteigertes Suchtverhalten sowie Risikobereitschaft. Hier schließt sich ein Teufelskreislauf, da Symptome wie Gereiztheit häufig als typisch männliche Stressreaktion, beispielsweise wegen einer hohen Arbeitsanforderung, fehlinterpretiert werden

Zeit für Veränderung

Um die psychische Gesundheit von Männern zu stärken, müssen wir als Gesellschaft aktiv werden. Dies erfordert nicht nur eine Entschärfung der stereotypen Vorstellungen von Männlichkeit, sondern auch die Förderung eines offenen Dialogs über emotionale Herausforderungen. Bildungsprogramme, die aufklären und das Bewusstsein schärfen, sowie eine verstärkte Verfügbarkeit von Ressourcen und Unterstützung für Männer, die Hilfe suchen, sind entscheidend. Indem wir Rollenbilder hinterfragen und Männer bestärken, über ihre Gefühle zu sprechen, können wir dazu beitragen, das Schweigen zu brechen und Männer dazu zu ermutigen, sich im Ernstfall Unterstützung zu suchen. Es ist an der Zeit, die Brücke zwischen traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit und einer umfassenden Betrachtung der menschlichen Psyche zu schlagen, um eine gesündere und unterstützende Gesellschaft für alle zu schaffen.

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