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Gesundheit aus Männersicht: Was ‚gesund sein‘ wirklich heißt

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In diesem Beitrag erfährst du, wie Männer ihre Gesundheit oft einschätzen, welche typischen Risiken eine Rolle spielen und wie Lebensstil, Vorsorge und mentale Balance zusammenspielen. Außerdem zeigen wir, welche Check-ups wirklich wichtig sind und mit welchen einfachen Maßnahmen Männer ihre Gesundheit nachhaltig stärken können.

Gesundheitliche Lage bei Männern: Ein Überblick

Männer haben in Deutschland im Schnitt eine um fünf Jahre kürzere Lebenserwartung als Frauen. Der Lebensstil spielt dabei eine wesentliche Rolle. Männer leben insgesamt risikoreicher: Sie trinken mehr Alkohol, rauchen häufiger und sind öfter übergewichtig. All das erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Krebs. Auch Vorsorge wird häufig vernachlässigt: Männer achten seltener auf ihren Körper, gehen später zum Arzt und verpassen wichtige Gesundheits-Checks.

  • Übergewicht: 59,4 % der Männer zwischen 18 und 65 Jahren sind übergewichtig, ab 65 Jahren sogar 69,6 %. Rund 21 % gelten als adipös.
  • Essverhalten: Bei etwa der Hälfte der Männer steht Genuss im Vordergrund, nur für ein Drittel spielt der Gesundheitsaspekt eine wesentliche Rolle. Fett- und Fleischgerichte dominieren, während Gemüse, Obst oder vegetarische Mahlzeiten seltener verzehrt werden.
  • Alkoholkonsum: Der Anteil der Risikokonsumenten liegt über alle Altersgruppen hinweg etwa 10 % höher als bei Frauen.

Die „Männergrippe“ – Mythos mit biologischem Kern

So belächelt der Begriff auch wird: Männer sind tatsächlich anfälliger für Infektionen und verspüren diese oft stärker. Ursache sind hormonelle Unterschiede: Östrogen stärkt die Immunabwehr, wodurch Frauen tendenziell besser geschützt sind.

Dazu kommt der insgesamt ungesündere Lebensstil, der die Immunabwehr beeinträchtigen kann. Jeder dritte Mann trinkt regelmäßig Alkohol, was einen weiteren Risikofaktor für Infekte und eine schwächere Immunantwort darstellt.

Subjektive Gesundheit: Männer fühlen sich oft gesund

Interessanterweise schätzen Männer ihre Gesundheit häufiger als gut oder sehr gut ein als Frauen (GEDA-Studie). Auch empfinden sie sich im Durchschnitt zufriedener mit ihrer Lebensqualität – vermutlich, weil Genuss und Spaß oft priorisiert werden.

Mit zunehmendem Alter nehmen die Einschränkungen zwar zu, doch nach dem Renteneintritt sinkt das Belastungsempfinden wieder. Viele Männer empfinden gesundheitliche Beschwerden dann weniger dramatisch, möglicherweise weil beruflicher Druck wegfällt und der Fokus sich verschiebt.

Wie definieren Männer „gesund sein“?

Gesellschaftliche Erwartungshaltungen

Traditionelle Rollenbilder wirken nach: Viele Männer identifizieren sich weiterhin stark über berufliche Leistung und sehen sich als Haupternährer. Gerät dieser Bereich ins Wanken, steigt das Risiko für psychische Belastungen.

Das Ideal vom „starken Mann“ hält viele davon ab, Hilfe zu suchen. Probleme werden verdrängt und häufig durch Alkohol, Nikotin oder exzessiven Sport kompensiert. Die gesellschaftliche Erwartung, Risiken einzugehen, spiegelt sich auch in Zahlen wider: 75 % der Verkehrstoten sind Männer.

Doch die gute Nachricht: Die jüngere Generation denkt anders. Unter 16- bis 28-Jährigen folgen nur noch knapp ein Viertel den alten Rollenbildern. Rauchen und andere Risikoverhaltensweisen nehmen in jüngeren Kohorten deutlich ab.

Genuss statt Gesundheit im Fokus

Gesundheit ist für viele eher ein Nebenaspekt. Der Genuss und die Lebensfreude stehen bei vielen Männern im Vordergrund. Etwa die Hälfte der Männer essen das, was ihnen gut schmeckt, die gesundheitlichen Aspekte der Nahrungsmittel sind Nebensache. Sie essen zudem nicht nur gehaltvoller, sondern auch schneller – im Schnitt rund 80 Kalorien pro Minute, Frauen etwa 52.

Sport wird häufig als geselliges Hobby oder Ausgleich verstanden. Er dient vielen eher dem Miteinander und dem Spaß statt als gezielte Gesundheitsmaßnahme. Außerdem geben 21 % der 16- bis 28-Jährigen an, gelegentlich die ganze Nacht durchzuzocken. Gesunder Schlaf und Regeneration stehen nicht immer an erster Stelle. 

Prävention und Vorsorge: Ein schwieriges Thema

Obwohl die meisten Männer Vorsorgeangebote kennen (80 % wissen vom Gesundheits-Check-up, 90 % von der Krebsvorsorge), nutzen sie diese wenig. Nur etwa 40 % nehmen diese Angebote regelmäßig wahr. Viele suchen ärztliche Hilfe erst, wenn Beschwerden deutlich spürbar werden. 

Männern ab 35 Jahren steht alle drei Jahre der sogenannte Gesundheits-Check-Up zu. Diesen können sie außerdem zwischen 18-35 Jahren einmal absolvieren. 

Wenn du mehr über die Vorsorgeangebote der Krankenkasse erfahren möchtest, dann lese hier unseren Beitrag dazu.

Immerhin: Langzeitdaten zeigen einen langsamen, positiven Trend zu mehr Vorsorgeverhalten.

Mentale Gesundheit: Die stille Baustelle

Beim Thema Gesundheit sprechen Männer selten über emotionale Probleme, dafür häufiger über körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Magenverstimmungen.

Es leiden zwischen 6–9 % der Männer an einer Depression, dennoch bleibt die Erkrankung bei 60–90 % unentdeckt oder unbehandelt. Die Suizidrate ist dreimal so hoch wie bei Frauen.

Männer neigen dazu, seelische Belastungen zu verdrängen oder durch Alkohol, Zigaretten oder exzessiven Sport zu kompensieren. Oft unbewusst versuchen sie, eine vermeintliche „Bedrohung der Männlichkeit“ auszugleichen. Viele realisieren dabei nicht, dass ihr Verhalten Ausdruck innerer Belastungen ist.

Männliche Gesundheitsrisiken und Tipps zur Prävention

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und Diabetes. Männer sollten daher regelmäßig den Gesundheits-Check-up wahrnehmen, der bereits ab 35 Jahren von den Krankenkassen angeboten wird. 

Liegt ein begründeter Verdacht auf eine Erkrankung vor, übernehmen die gesetzlichen Kassen auch weiterführende Laboruntersuchungen, etwa zur Abklärung einer möglichen Herzinsuffizienz. Eine gesunde Lebensweise spielt ebenfalls eine große Rolle: Regelmäßiger Ausdauersport kann Blutfettwerte, Blutdruck und Blutzucker senken, während ein geringerer Alkoholkonsum und ein höherer Anteil an Gemüse in der Ernährung das Gewicht und den Stoffwechsel positiv beeinflussen.

Darmkrebs

Darmkrebs lässt sich in der Regel sehr früh erkennen und dadurch besonders gut behandeln – oft sogar, bevor die Krankheit überhaupt ausbricht. Ab dem 50. Lebensjahr übernimmt die Krankenkasse deshalb jährlich einen Labortest, der über eine einfache Stuhlprobe beim Arzt durchgeführt wird. Zusätzlich stehen Männern ab 50 zwei Darmspiegelungen zu, die mindestens zehn Jahre auseinander liegen müssen. Aktuell wird sogar diskutiert, ob die Vorsorge schon einige Jahre früher beginnen sollte, da frühe Erkennung die Heilungschancen erheblich verbessert.

Prostatakrebs

Das durchschnittliche Erkrankungsalter bei Prostatakrebs liegt bei etwa 70 Jahren. Ab dem 45. Lebensjahr haben Männer Anspruch auf eine jährliche Tastuntersuchung, die von der Krankenkasse übernommen wird. Prostatakrebs macht rund 26 Prozent der männlichen Krebserkrankungen aus, doch bei Früherkennung können rund 90 Prozent der Fälle gut behandelt oder sogar vollständig geheilt werden. Männer mit familiärer Vorbelastung, insbesondere wenn ein naher Angehöriger vor dem 60. Lebensjahr erkrankte, sollten bereits zehn Jahre früher mit der Vorsorge beginnen, also etwa ab 35 statt ab 45 Jahren.

Diabetes

Männer entwickeln bei Übergewicht deutlich häufiger Diabetes als Frauen. Ein Grund dafür ist, dass sich überschüssiges Fett bei Männern bevorzugt in der Körpermitte ansammelt. Dieses sogenannte viszerale Bauchfett beeinflusst den Stoffwechsel besonders stark und erhöht das Diabetesrisiko erheblich. Eine nachhaltige Gewichtskontrolle, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung sind daher entscheidende Faktoren, um das Erkrankungsrisiko zu senken.

Fazit: Gesundheit aus Männersicht

Eine gesunde Lebensweise wirkt, das zeigen Beispiele wie Klosterstudien, in denen Männer und Frauen unter gleichen Bedingungen ähnlich alt werden.

Mit bewusster Ernährung, regelmäßiger Bewegung, positiver Stressbewältigung, ausreichend Schlaf sowie wahrgenommenen Vorsorgeuntersuchungen können Männer ihre Gesundheit langfristig sichern. Wer auf seinen Körper hört und Risiken ernst nimmt, ist für die Zukunft gut gerüstet.

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